Habseligkeiten verlieren. Grenzen überschreiten.

Ein Schicksal, das auch den jungen Mann George Wozasek ereilte. Dennoch hatte er, wie er selbst erzählte, Glück. Eine Odyssee von Amstetten nach Wien, Paris und New York führte ihn schließlich nach Linz, wo er ab 1951 lebte und arbeitete. Heute ist Wozasek Präsident der kleinen aber lebendigen isrealitischen Kultusgemeinde Linz.

Dr. Birgit Kirchmayr, die im Moment das Buch mit dem Titel „George Wozasek. Eine biografische Spurensuche“ verfasst, wird dieses im Herbst im Wagner Verlag publizieren. Im Beitrag erzählt sie über seine Flucht aus Österreich.

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Unfreiwillig im Exil: Anna und Edith Wilensky

Ein kulturelles Leben vor der Zeit des Nationalsozialismus in Linz? Schwer zu sagen. Und es gab es doch. Die Wilensky’s waren eine solche Künstlerfamilie. Der Vater, seines Zeichens Operntenor am Linzer Landestheater, Julian Wilensky und die Mutter Anna Wilensky arbeitete vor dem Krieg als Journalistin. Deren Tochter Edith war dem modernen Ausdruckstanz verschrieben und leitete bald eine eigene Tanzschule.

In jungen Jahren – das hat die historische Forschung belegt – entdeckte der junge Adolf Hitler eben am Linzer Landestheater seine Leidenschaft für Wagner Opern. Der Interpret war ausgerechnet der polnische Jud‘ (O-Ton: Anna Wilsenky) Julius Wilensky.

Die Absurdität bleibt. Die Geschichte der Familie nimmt während des Krieges eine dramatische Wendung.

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Sprecherin: Dr. Birgit Kirchmayr/Johannes Kepler Universität Linz.

 

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Gisela Tschofenig, eine Freiheitskämpferin in Linz

Gisela Tschofenig. An sie erinnert heute noch eine kleine versteckte Strasse in Linz. Dass es zu diesem Denkmal kam, ist Margit Kain zu verdanken, die sich bei den politisch Verantwortlichen der Nachkriegszeit dafür einsetzte. Margit Kain ist es auch, die sich an Gisela Tschofenig erinnert, als eine mutige Frau, die von den Nazis kurz vor Kriegsende schließlich ermordet wurde. Es sollten keine Zeugen bleiben.

Und wir, wir erinnern uns doch.

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Sprecherin: Margit Kain

 

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Am Todesmarsch kennengelernt

Nachdem die beiden Sinti Rosa Winter und Arthur Schneeberger das Konzentrationslager überlebt haben, lernten sie einander auf dem Todesmarsch kennen. Schließlich bauten sie sich in Linz, Hafenstrasse 1a ein neues Leben auf. Dass sich die Moral nach dem Krieg nicht plötzlich änderte, zeigen nicht nur Polizeivermerke, auch das Handeln von Behörden macht das Unglaubliche offensichtlich. Die Sinti wurden weiterhin diskriminiert und kriminalisiert. Gitta Martl spricht über die Biographie ihrer Eltern und das Leben nach 1945 in Linz.

 

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Franz Schinnerl – Salzburg

Franz Schinnerl Stolperstein

Franz Schinnerl Stolperstein/Julius-Raab-Platz 2

Franz SCHINNERL, geboren am 14. September 1910 in Salzburg, war katholisch,
ledig und Hotelangestellter. Er arbeitete und wohnte im Parkhotel Nelböck,
Weiserstraße 2 (Julius Raab-Platz).1

Franz SCHINNERL wurde am 15. Oktober 1941 vermutlich aufgrund einer
Denunziation verhaftet und am 16. Jänner 1942 wegen Homosexualität zu einem
Jahr schwerem Kerker verurteilt, wie aus dem Register des Landesgerichts
Salzburg hervorgeht.2

Hörstolperstein Franz Schinnerl

Franz SCHINNERL wurde nach Verbüßung seiner Strafe in das KZ Dachau
deportiert und dort am 23. November 1942 als PSV-Häftling Nr. 40339
registriert (Haftkategorie PSV = „Polizeiliche Sicherungsverwahrung“ mit
grünem Winkel).

Als das KZ Dachau am 29. April 1945 durch US-Truppen befreit wurde,
herrschten dort katastrophale Zustände. Wegen der grassierenden Epidemien,
Fleckfieber und Typhus, stand das gesamte Lagergelände wochenlang unter
Quarantäne. Es starben noch täglich 100 bis 300 befreite Häftlinge, am 9.
Mai 1945 der 34-jährige Franz SCHINNERL aus Salzburg.

____
1 Weiserstraße 2 wurde im Jahr 1973 in Julius Raab-Platz 2 umbenannt, am Ort
des demolierten Parkhotels befindet sich das Wirtschaftsförderungsinstitut
(WIFI) der Wirtschaftskammer Salzburg.

2 Unter dem NS-Regime liefen im Landesgericht Salzburg gegen 338 Personen,
darunter sechs Frauen, Verfahren nach § 129 I b – „Unzucht wider die Natur
mit Personen desselben Geschlechts“ – des nach wie vor gültigen
österreichischen Strafgesetzes. Die betreffenden Gerichtsakten wurden
mittlerweile vernichtet.

Quellen: Stadt- und Landesarchiv Salzburg, Information der KZ-Gedenkstätte Dachau vom 28. Juni und 3. November 2011
Recherche: Gert Kerschbaumer
Gestaltung & Produktion: Georg Wimmer

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Hörstolperstein Chinesenviertel Hamburg


Chong Tin Lam gründete 1926 in der Heinestraße, heute Hamburger Berg heißend, die Gaststätte „Hong- Kong- Bar“ und betrieb diese bis zu seinem Tode im Jahre 1983. Noch heute ist sie ein letztes Relikt aus der damaligen Zeit des Chinesenviertels

Hamburg- St. Pauli. Eine weltberühmte Ausgehmeile aber auch seit langem Wohnort von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Sozialisation. Hierzu gehört auch die Schmuckstrasse, eine kleine auf den ersten Blick unscheinbare und unbedeutende Straße. Ein Ort, welcher sich während der Naziherrschaft stark ändern sollte und heute nicht mehr an das damalige „Chinesenviertel“ und deren Bewohner_innen erinnert.

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Hörstolperstein Hedwig Klein

Deutschland hatte Sie hinter sich gelassen. 1939 befindet sich

Platz der Jüdischen Deportation – direkt neben der Universität Hamburg

Hedwig Klein an Bord eines Schiffes, dass Sie über ihre Geburtsstadt Antwerpen nach Bombay bringen soll. Doch das Schiff kehrt um und bringt sie zurück nach Deutschland. 1942 wird sie von Hamburg direkt nach Auschwitz deportiert. hoerstolperstein_hedwig_klein

 

 

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Leo Katzenberger – Nürnberg

Einen selbst für die menschenfeindliche NS-Justiz bemerkenswerten und besonders harten Fall von Justizwillkür stellt die Verurteilung des jüdischen Geschäftsmannes Leo Katzenberger dar. Er wurde nach einer Denunziation des „Verstoßes gegen das Blutschutzgesetz“ angeklagt und später vom Sondergerichtshof Nürnberg wegen „Verstoßes gegen die Volksschädlingsverordnung“ zum Tode verurteilt. Grund war die fürsorgliche Freundschaft zur Tochter einer befreundeten nicht-jüdischen Familie. Leo Katzenberger wurde am 3. Juni 1942 in München hingerichtet.

Ein Beitrag von Tobias Lindemann (Radio Z).

Hörstolperstein Leo Katzenberger

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Therese, Max und Walter Jakob, Sebastian Bleistein – Nürnberg

„Das war eine stinknormale Arbeiterfamilie im Räderwerk des Nationalsozialismus“, sagt Eva Rössner aus Nürnberg, und erzählt dann ihre ungewöhnliche Familiengeschichte. Ihr Vater Walter Jakob, Jude und Kommunist, musste fliehen und starb im Exil. Ihre Mutter Margarethe Jakob saß im Gefängnis, bis sie sich scheiden ließ. Die jüdischen Großeltern Jakob wurden deportiert und ermordet. Der andere Großvater, Sebastian Bleistein, wurde wegen dem Hören von „Feindsendern“ verhaftet und starb im Zuchthaus.

Ein Beitrag von Heike Demmel (Radio Z).

Hörstolperstein Therese, Max und Walter Jakob, Sebastian Bleistein

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Lebendige Erinnerung: 70. Jahrestag der Deportation jüdischer Menschen aus Thüringen und Sachsen

Der 10. Mai 1942 steht für die Deportation von Jüdinnen und Juden aus Thüringen und Sachsen nach Belzice. Zum 70-sten Jahrestag der Deportation sollte es in Thüringen eine dezentrale Form des Gedenkens geben. Veranstaltungen in allen Städten und Gemeinden, aus denen jüdische Menschen an diesem Tag in den sicheren Tod geschickt wurden.

In Erfurt mussten sich 101 jüdische Menschen am 09. Mai 1942, um 06.00 Uhr am Hauptbahnhof melden um, nach aktuellen Recherchen, 07.40 Uhr mit dem unregelmäßig eingesetzten Zug Erfurt-Glauchau nach Weimar gebracht zu werden. In einer Viehauktionshalle verbrachten sie die Zeit bis zum nächsten Tag, den 10. Mai, gemeinsam mit Menschen anderer Thüringer Städte. Der Deportationszug führte über Leipzig, wo jüdische Menschen aus Sachsens hinzukamen, nach dem Ghetto Belzice.

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